Premiere in Antholz: Skikönig erstmals ein Kombinierer


Premiere in Antholz: Skikönig erstmals ein Kombinierer
Antholz - Von soll mal keiner sagen, das Forum Nordicum sei nach 40 Jahren nicht mehr beweglich oder innovativ. Und keiner soll denken, Könige seien nicht auch "nur" Menschen. Auch Ihre Majestäten haben hier und da mit den kleinen Problemen des Alltags zu kämpfen. Bevor wir über einen neuen (Ski-)König reden bzw. schreiben, erinnere ich mich deshalb schmunzelnd an eine Begebenheit, die schon 16 lange Jahre zurückliegt. Als der deutsche Skilangläufer René Sommerfeldt im Dezember anno 2003 beim Teamsprint-Weltcup in Toblach gemeinsam mit Tobi Angerer durch die Loipe fegte, konnte er noch nicht wissen, dass er zehn Monate später von den Fachjournalisten des Forum Nordicums zum "Skikönig" gekrönt werden sollte. An bewußtem Dezember-Sonntag hatte Sommerfeld auch ganz andere Sorgen: Er hatte auf der Ski-Hatz durch die Wettkampfrunde den Durchblick verloren... DSV-Cheftechniker Uwe Bellmann sollte die damals fix "gerade rücken", bekam aber die wachsverschmierten Handschuhe nicht schnell genug ausgezogen. Wir standen mit unserer Kamera direkt an der Wechselzone, die Flüche des Athleten waren alles andere als druckreif. Am Ende konnte dieses Malheur den Läufer aus Oberwiesenthal nicht aufhalten. Er gewann im März 2004 den Gesamtweltcup. Der Rest ist bekannt – er wurde König. Als der Nordische Kombinierer Jarl Magnus Riiber aus Norwegen im Spätsommer 2019 seinen Termin beim Augenarzt plante, da konnte er auch nicht wissen, dass er wenig später "gekrönt" werden soll. Wie denn aber auch? Seit 1996 wählen die Journalisten des Forum Nordicum den Skikönig, ein Athlet aus der Königsdisziplin des Nordischen Skisports aber hatte es aber noch niemals auf den Thron geschafft! Nun dieser Riiber, dieser junge Schlaks, der nach dem Springen tatsächlich auch noch das schnelle Laufen gelernt hat. Der schon im Januar (!) den Gesamtweltcup gewonnen hatte und der in Seefeld dem Erwartungsdruck standhielt und zweimal Weltmeister wurde. Der 22jährige kennt sie auch, diese alltäglichen Mühen der Ebene, den mitunter getrübten Fokus. "Schluss mit den Kontaktlinsen", beschloß er nach der Sommer-Vorbereitung und vereinbarte mit seinem Arzt einen Laser-Termin. Kurz vor seinem 22. Geburtstag, den er zur Schonung daheim auf dem Sofa verbrachte...Während in Antholz an seinem Ehrentag und in Abwesenheit des neuen Königs das Geschenk verkündet wurde: Die Ski-Krone für Jarl Magnus Riiber. Eine Ehrung, die weder einem Ronny Ackermann, einem Jason Lamy Chapuuis und auch keinem Eric Frenzel oder Johannes Rydzek jemals vergönnt war. Vom Norweger gab es eine freundliche Videobotschaft aus der Heimat mit einem Dankeschön ans Forum und an seinen Ski-Ausrüster Fischer. Aus Deutschland gab's umgehend artigen Glückwunsch, Eric Frenzel findet es gut, weil "das für unsere Sportart im Kampf um ein gutes Standing in der Nordischen Familie ist." Freilich muss Frenzel am Telefon auch hörbar schmunzeln und hinterfragt schelmisch die Fachkompetenz der Jury: "Da macht der junge Kerl einmal so eine gute Saison und ihr macht ihn gleich zum König? Da müssen wir nochmal drüber reden irgendwann... (lacht) ... aber um so wärmer kann sich der Jarl im kommenden Winter anziehen! Könige werden gern gejagt, das ist bekannt. Gern auch von den Deutschen. "König" Sommerfeld wird sich erinnern: Ein Jahr nach ihm holte Axel Teichmann die Große Weltcup-Kristallkugel, danach zweimal in Folge Tobias Angerer. Die Frenzel, Rydzek und Co. stehen in den Startlöchern, Riiber stellt den Fokus ab sofort ohne Hilfsmittel scharf. Die Jagd ist eröffnet und beginnt am 28. November in Ruka. Soviel ist schon jetzt sicher: Es wird ein heißer Tanz um den "Thron" im Lager der Könige des Nordischen Skisports! Wir freuen uns drauf.
Thorsten Kutschke