Neuer Doping-Test soll mehr Rechtssicherheit bringen

Ein neues Dopingtest-Verfahren, das an der Uni Lausanne entwickelt wurde, steht seit Juni 2017 zur Verfügung. Darüber informierte IOC-Sprecher Christian Klaue beim Forum Nordicum (Foto). Es wurden damit 250 Proben aus Russland überprüft. Man hofft, dass dies bis Ende November abgeschlossen ist. Der aufwändige Test dauere einfach, ginge nicht schneller.

 

 

Klingenthal/Schöneck - Interessante Debatte mit Christian Klaue, Sprecher des IOC für den deutschsprachigen Raum (und am 1. April 2018 neuer Kommunikationsdirektor beim DOSB). Es geht sofort zur Sache: Thema, Frage - Antwort, Fakten.

Nützlicher Kontakt zuerst: Catherine Philbin ist Pressechefin des Olympic Chanel (catherine.philbin@olympicchanel.com), sie kann alle Fragen zum IOC-Projekt beantworten.

Die Finanzgebaren des IOC? Klaue verteilt den IOC Annual Report 2016. Auf 180 Seiten veröffentlicht das IOC jährlich, wohin das Geld geht, wie hoch die Aufwandsentschädigungen sind etc. Keine Unterhaltungslektüre, 30, 40 Seiten nur mit Zahlen.

Ganz aktuell: Die Niederlage bei der Bürgerbefragung in Tirol. Ist das das Ende von Winter-Olympia in Europa? Was gedenkt das IOC zu tun, dass es einen Umschwung gibt? Christian Klaue: „Die Frage ist, was das IOC schon getan hat. Der Bewerbungsprozess für 2026 wurde vorgestellt, der hat mit früheren gar nichts mehr zu tun.“ Jetzt würden Spiele preiswerter, angepasster auf die Orte, viel nachhaltiger. Früher sollte alles kompakt an einem Ort sein. Jetzt gelte die Devise: Nutzt alles was ihr habt. Wenn doch was fehle, dann müsse nachhaltig gebaut werden. Oder temporär. Wenn all das nicht möglich sei, könne man einzelne Wettbewerbe auch in einem anderen Land ausrichten. Klaue: „Ein Bewerbungsprozess dauerte früher zwei Jahre. Jetzt ein Jahr und das ist ein so genannter Dialogprozess. Das braucht aber auch noch Zeit, damit es die entsprechende Aufmerksamkeit bekommt.“

Doping und der aktuelle Stand im Fall Russland. Es gibt zwei Kommissionen. Die erste unter Leitung von Denis Oswald prüft die individuellen Fälle, die zweite Kommission widmet sich der Systemfrage. In einem Brief an die IOC-Mitglieder und die internationalen Sportverbände hat IOC-Präsident Thomas Bach über den aktuellen Stand informiert. Nach dem McLaren-Report seien demnach 95 Dopingproben russischer Athleten nachuntersucht worden. Die Tests seien juristisch aber nicht haltbar gewesen. Es brauchte einen Test, um Manipulation nachzuweisen. Dieser Test wurde an Uni Lausanne entwickelt, steht seit Juni 2017. Es musste Personal ausgebildet werden, denn dieser Test sei sehr aufwändig. 250 Proben aus Russland müssten überprüft werden. Das dauere einfach, ginge nicht schneller. Man hofft, dass er bis Ende November fertig ist. Der Fokus liegt auf den noch aktiven Athleten. EinTermin, wann der Bericht der Kommission, die sich der Systemfrage widmet, fertig ist, steht noch nicht.

ITA als nächster Schritt im Kampf gegen Doping. Nachdem das IOC bereits in Rio die Sanktionierung von Dopingfällen an das CAS ausgelagert hat, ist die Durchführung von Dopingkontrollen durch die Independent Testing Authority (ITA) der nächste Schritt. In Pyeongchang werden die Dopingtests von der ITA durchgeführt. Soll dafür sorgen, dass nicht nur Sanktionierung sondern auch das Testen unabhängig vom IOC erfolgt. Künftig soll die ITA auch außerhalb der Olympischen Spiele arbeiten. Nun müsse man sehen, welche Verbände da mitarbeiten. Hehres Ziel: „Es sollte sichergestellt sein, dass alle Athleten weltweit nach gleichen Standards getestet werden.“

Die Politik und die Spiele in Pyeonchang: Klaue bestätigt die Aussage von IOC-Präsident Thomas Bach, es gibt keinen Plan B. „Wir arbeiten an Pyeongchang 2018.“ Das IOC sei mit den NOKs und den Regierungen der beteiligten Länder ständigem Austausch. Thomas Bach habe unlängst Donald Trump getroffen. Das IOC ist ständiger Beobachter bei UNO, war bei der Vollversammlung. Klaue: „Es gab zu keinen Zeitpunkt ein Signal, dass die Olympischen Spiele in Gefahr sind.“

Schönes Schlusswort von Christian Klaue zur Zukunft Olympischer Spiele: „Die Herausforderung wird immer da sein. Das IOC muss es immer pragmatisch lösen. Aber das ist oftmals nicht ganz leicht.“

Uwe Köster