Informativer FIS-Auftritt beim Forum Nordicum

Klingenthal/Schöneck - Am FIS-Tag blickte Sarah Lewis, die Generalsekretärin des Ski-Weltverbandes FIS, zunächst auf den vergangenen Winter zurück. Dabei lobte sie u. a. die Organisatoren der Ski-WM in Lahti. 16 Jahre nach den Titelkämpfen an gleicher Stelle mit den Dopingfällen finnischer Langläufer kam Lewis zu der Erkenntnis: „Der Spirit ist zurück, die Problematik von 2001 begraben. Es gibt eine neue Ära im Langlaufsport mit einer neuen Generation. Eine tragende Nation im Skisport hat das Vertrauen zum Publikum wieder aufgebaut.“

Bis das Vertrauen in den russischen Sport wieder hergestellt ist, dürfte es noch etwas dauern. Die FIS, speziell die Disziplinarkommission des Verbandes, will bis zum Saisonbeginn Klarheit schaffen, was die Suspendierung russischer Athleten infolge der Manipulationsvorwürfe bei Olympia 2014 in Sotschi betrifft. Das IOC, das nur für den Zeitraum Olympischer Spiele in Sachen Kontrollen und möglicher Strafen zuständig ist, hat noch bis 31. Oktober Zeit, konkrete Beweise für Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln während der Winterspiele zu liefern. Nur mit konkreten Beweisen kann laut Sarah Lewis aus rechtlicher Sicht die Sperre der Athleten aufrechterhalten bleiben: „Ich denke, dass die Zeit zu knapp wird. Wichtig ist, dass vor den ersten Wettkämpfen klare Linie besteht“, so Lewis. Dass die Beweisführung so lange dauert, liegt auch daran, dass ein Nachtest-Verfahren entwickelt werden musste, um mögliche Manipulationen – im Raum steht, dass Proben ausgetauscht wurden - aufzudecken.

Die drei FIS-Verantwortlichen im Langlauf (Medien-Koordinator Michal Lamplot) und Skispringen (Walter Hofer) sowie in der Nordischen Kombination (Lasse Ottesen) erklärten anschließend, was künftig in den drei nordischen Disziplinen zu erwarten ist. Hier die wichtigsten Inhalte zusammengefasst.

Skilanglauf:
Die Preisgelder werden nicht mehr auf die ersten zehn, sondern 20 Athleten verteilt. Maximal 15 Sportler sind pro Nation bei einem Weltcup startberechtigt. Die nationale Gruppe für den Gastgeber kann bis zu zehn Athleten betragen. Ein Höhepunkt im neuen Kalender verspricht die Premiere des Freistil-Stadtsprints in Dresden Mitte Januar. Im Anschluss des Spektakels am Elbufer sind viele Nachwuchsrennen und Schnupperkurse geplant, um Talente für den Langlauf zu werben. Der ehemalige Weltcupsieger Tobias Angerer wird Kniffe und Tipps weitergeben. Leider konnte kein Weltcupveranstalter im kommenden Winter gefunden werden, der eine Staffel im Programm hat.

Skispringen:
Der früheste Beginn (Mitte November) einer Weltcupsaison in der Skisprunggeschichte stellt die Organisatoren in Wisla vor eine Herausforderung. Walter Hofer stellte die technischen Möglichkeiten der Firma Swiss Timing vor, die mit geballter Kameratechnik und entsprechender Software zum Beispiel Daten liefern kann, um wie viel Zentimeter ein Springer den Absprung verpasst hat oder er zu früh abgesprungen ist. Diese Messungen stehen künftig TV-Sendern zur Verfügung. Die Quali wird auf allen Stationen zum Pflichtprogramm, denn die besten zehn im Weltcup sind nicht mehr automatisch vorqualifiziert. Bei den Frauen gibt es eine Weltpremiere: In Hinterzarten Mitte Dezember wird erstmals ein Weltcup mit einem Teamwettbewerb stattfinden.

Nordische Kombination:
Die Winterzweikämpfer stehen mit 28 Weltcups plus drei Olympiawettbewerben vor einer Rekordsaison. Es werden zwei neue Startnummern eingeführt: Rot für den besten Langläufer, Blau für den besten Springer. Am Ende gibt es für diese Wertungen zusätzliches Preisgeld. Trotz mangelnder Quantität an der Basis treibt die Kombination ihre Bemühungen voran, dass Frauen in dieser Sportart ins olympische Programm 2022 aufgenommen werden können. Weitere Schritte auf diesem Weg sind geplant mit der Einführung einer Continentalcupserie (2018), der Teilnahme an der Junioren-WM (2019), dem ersten Weltcup (2020) sowie der Aufnahme ins WM-Programm (2021) in Oberstdorf.                      Thomas Prenzel

Kompetente FIS-Gesprächspartner: Sara Lewis und Walter Hofer. Foto: Eberhard Thonfeld