Prima Arbeitsbedingungen in Pyeongchang

   Die ersten Biathlon-Weltmeisterschaften in einem asiatischen Land begannen grauselig. Die Wetter-Kapriolen mit Dauerregen ließen die Loipen dahinschmelzen, die Eröffnungs-Veranstaltung fiel buchstäblich ins Wasser. Dem folgten der Doping-Skandal mit den drei des Betrugs überführten Russen Albina Achatowa, Jekaterina Jurjewa und Dmitri Jaroschenko. Danach gab es das Verfolgungsrennen der Männer mit Protest und Gegenprotest nach nicht zweifelsfrei markiertem Streckenverlauf sowie der Jury-Entscheidung zugunsten von Ole Einar Björndalen als neuen Weltmeister. Alles Sachen, an denen die koreanischen WM-Gastgeber keine Schuld tragen. Wenn man ihnen etwas vorhalten will, dann ist es die Tatsache, dass sie es versäumt haben, Zuschauer ins sehr schöne Biathlon-Stadion zu organisieren.

    Die geringe Zuschauerresonanz mit offiziell zusammen 5000 Besuchern an den sieben Wettkampftagen hatte aber auch ihr Gutes. Im Umfeld des Stadions musste man sich nicht durch Zuschauermassen wühlen, ums ins prima Pressezentrum zu kommen. Ein dickes Lob an IBU-Kommunikationsdirektor Peer Lange. Was er mit den Koreanern auf die Beine gestellt hat, war nicht nur WM-würdig, sondern absolute Spitzenklasse! Alle Versprechungen wurden exakt eingehalten, vom kostenfreien Transport aus Seoul und zurück über die preisgünstigen Übernachtungen in guten Hotels bis hin zu ganz wenig reglementierten Arbeitsmöglichkeiten im ganzen Stadion.

   Das erstklassige Pressezentrum im Clubhaus des Golfplatzes nur drei Gehminuten von Start und Ziel entfernt bot ausreichend Arbeitsplätze für alle angemeldeten Print- und Foto-Kollegen. Auch die TV-Teams ohne Rechte und/oder Kabine fanden Platz. Und das ging alles, ohne räumliche Trennung von Print/Foto/TV fast immer problemlos. Ausnahmen waren die IBU-Pressekonferenzen. Da wäre es schön gewesen, wenn nicht Fotografen und Kameramänner/frauen sowie Mikrofone auf dem Podium die Sicht total verdeckt hätten. Die Lösung für das Problem der Mikros ist einfach: Eine Box im Hintergrund des Raumes mit Buchsen, in die sich die Elektroniker einstöpseln können (Oberhof macht das beim Weltcup beispielgebend vor). Die sehr guten kostenlosen LAN-Verbindungen (vorwiegend für Fotografen) sowie W-LAN für die Schreiber waren das Sahnehäubchen und erlaubten problemlose und schnelle Übertragung aller Bilder und Texte.

   Vorausschauend und sehr praktisch waren auch die Akkreditierung im gleichen Gebäude sowie die Möglichkeit, sich an Ort und Stelle koreanische Handys gegen geringe Gebühr ausleihen zu können. Dass sie bei der Rückreise sogar erst am Flughafen abgegeben werden konnten, machte sie noch wertvoller bei der Arbeit. In den beiden durch nur rund 150 Meter getrennten Pressehotels mit sehr moderaten Preisen, die nur zwei Gehminuten vom Athleten-Hotel entfernt waren, arbeitete das W-LAN allerdings nicht in allen Zimmern. Dafür in den ausreichend Platz bietenden Lobbys, in den Restaurants sowie im Business-Center. Und auch hier wieder kostenfrei! Nicht ganz so günstig hatten es die Elektroniker, deren Hotel doch etwas sehr abseits lag.

   Auch im prima aufgebauten Stadion spürte man auf Schritt und Tritt, dass mit viel Wissen ob der Bedürfnisse der Medien organisiert worden war. Die  Laufwege waren optimal, die Mixedzonen boten genügend Platz und so wenig wie nötig Reglementierungen. Sie waren Treffpunkt für Gespräche mit allen Aktiven und Offiziellen. Das ging auch, weil sich der Medienansturm in Grenzen hielt. Und dass Christian Manzoni gemeinsam mit Peer Lange, dessen Inspektion im Dezember wohl der Hauptgrund für die erstklassigen Arbeitsbedingungen waren, für die Fotografen Standpunkte fast ohne Reklementierung rund um die Strecken sowie mit ausreichend Platz und Blickwinkeln am Schießstand angeboten haben, brachte ihnen viel Lob ein.

     Sehr erfreulich auch, dass die exakt sieben Minuten vom Hotel zum Stadion benötigenden Shuttle-Busse auf die Minute pünktlich fuhren, im Halbstunden-Rhythmus von den Pressehotels, sogar im Abstand von nur 15 Minuten vom Athleten-Hotel. Auch die konnten alle Medien-Vertreter nutzen, was einigen Kollegen noch zu prima Interviews verhalf. Und als am ersten Sonntag wegen der Proteste auch noch nach Mitternacht gefahren werden musste, konnten die Koreaner auch gut improvisieren. Genau wie beim Einbau einer Zwischentür im Pressezentrum, nachdem sich der Arbeitsraum als zugiges Kühlhaus erwiesen hatte.

    Da konnte man auch verkraften, dass das Catering im Pressezentrum sehr gewöhnungsbedürftig, wenig abwechslungsreich und fast immer schon weit vor Beginn der Pressekonferenzen - und somit vor Beginn der aktuellen Hauptarbeit - beendet war.                                                                             Uwe Jentzsch